Kritiken

für „Der letzte Pfarrer von Königsberg“

Im Zentrum dieser staunenswerten Biographie Hugo Lincks, des „letzten Pfarrers von Königsberg“, läßt die einfühlsame Autorin, seine Enkeltochter, den Porträtierten selber berichten vom Untergang seiner Heimatstadt und den ersten drei Nachkriegsjahren, von denen wir immer noch wenig wissen. Denn im Unterschied zu anderen Zeugen dieser Schreckenszeit beruht sein Beitrag nur zum kleinsten Teil auf einer Erinnerung, die ja immer nur lückenhaft sein kann und Ungenauigkeit ebenso wie Irrtum niemals ganz auszuschließen vermag. Vielmehr lesen wir ganz überwiegend in seinen und seiner Ehefrau Briefen, die fast ausnahmslos in der unmittelbaren zeitlichen und örtlichen Nähe der Ereignisse entstanden, ja zumeist selber gerade erlebt und erlitten worden sind – und mehr Authentizität ist wahrhaftig nicht vorstellbar. Es sind Jahre am äußersten Rand eines stets fragilen Überlebens, dem nur wenige noch standhalten konnten, wenn sie es denn überhaupt noch wollten.
Die richtigen Worte für den unerschütterlichen Glauben dieses letzten Pfarrers zu finden, seine innere und äußere Haltung, seinen Mut und seine menschliche Empathie, kann am Ende kaum gelingen; und so wählt die Autorin mit Bedacht einen Schreibstil, der, unprätentiös und dennoch kunstvoll, die eigentlich naheliegenden Superlative meidet und sich auf eine nüchtern-sachliche Darstellung der wirklichen Abläufe konzentriert.  Zugleich jedoch zögert sie nicht, die Grundeinstellungen Hugo Lincks in menschlich-familiären, theologischen und politischen, insbesondere kirchenpolitischen, Fragen ohne Einschränkungen oder Glättungen  aufscheinen zu lassen. Dieser Mann war geradlinig, standfest, in vielem konservativ und nicht ohne eine gedankliche und charakterliche Strenge, die heute unmodern, ja beinahe antimodern geworden sind oder jedenfalls leicht so wirken können. Alles in allem eine Dokumentation  von unbestreitbarem Eigenwert in einem vorzüglich lesbaren Buch, das vermutlich nicht nur bei mir viele Saiten sowohl einer persönlichen familiären Erinnerung als auch eines politischen und kirchenpolitischen Interesses angeschlagen hat. Man kann der Autorin nur danken und aufrichtig gratulieren zu dieser sehr bemerkenswerten Arbeit.

Dr. Walrab von Buttlar

Berlin, im September 2019

Ich hatte das Buch bereits zur Veröffentlichung vorbestellt, da meine Familie ursprünglich aus dem Memelland stammt und somit eine starke Verbindung zur Geschichte besteht. Als es nun am Wochenende geliefert wurde war ich sofort gepackt.

Im Kern erzählt das Buch eine sehr typische Geschichte für Deutsche die aus Ostpreußen stammen. Das Buch, das weitestgehend auf echten Briefen basiert und immer wieder vom Autor in einen erzählerischen Rahmen gefügt wird, umfasst mehrere Jahrzehnte und gibt somit Einblick in die Wirren vor, während und nach dem 2. Weltkrieg. Es ist zeitweilig geradezu erschreckend wie sehr man sich dabei in das heute weitestgehend russische Ostpreußen zurückversetzt fühlt. (…) 
Da der Lebensweg von Pfarrer Hugo Linck (…) einen einzigartigen Einblick in eine für uns weitestgehend vergessene Welt gibt, empfehle ich vom ganzen Herzen das Buch jedem weiter. Es ist vom Anfang bis zum Schluß packend.

Klaus Brandt, 18. September 2019 - bei amazon

Pipers Buch ist eine großartige und bewegende Biographie einer bedeutenden Person der letzten Königsberger Zeit. Es würdigt Leben, Leistung, Leid und Tod vieler kirchlicher Mitarbeiter der zu Ende gegangenen Kirchengeschichte Ostpreußens. Das Nachwort des Historikers Dr. Christopher Spatz unterstreicht die Bedeutung Hugo Lincks. Dem wichtigen Buch ist eine große Verbreitung zu wünschen.

Klaus Plorin

GeO Rundbrief, 3/2019

Ostpreußische Verlage wie Gräfe und Unzer und Rautenberg existieren nicht mehr. Insofern ist das Erscheinen dieser spannenden und aufschlussreichen Biographie über Hugo Linck, die private Züge hat, aber gleichzeitig Zeitgeschichte spiegelt, eine Sensation, da mit einem solchen Buch über 70 Jahre nach Kriegsende nicht mehr gerechnet werden konnte. Die Autorin widmet ihr Buch allen Ostpreußen-Nachkommen, „die sich für die Geschichte ihrer Vorfahren interessieren. Sie leisten damit einen Beitrag zur Heilung.“

Eckhard Scheld

Gießen-Kleinlinden, 16.10.2019

Gestern haben ich die letzten Seiten gelesen und stehe noch ganz unter dem Eindruck Ihres Buches. Es ist eine echte Bereicherung der Literatur über Ostpreußen in seiner schwersten Zeit. Obwohl ich nahezu alle Werke Ihres Großvaters kenne und sie teilweise auch mehrmals gelesen habe, fand ich doch in Ihrem Buch eine Fülle für mich neuer Informationen, die mein Bild von Ostpreußen, von Königsberg, vom Löbenicht und nicht zuletzt von der Rolle Hugo Lincks vor und nach deren Untergang abrunden.

Wie ein roter Faden ziehen sich durch Ihr Buch Beispiele für die Kraft des Glaubens, Hinweise, wie Menschen in schwierigsten Lebenslagen, im Angesicht des nahezu sicheren Todes darin immer wieder Hoffnung, Mut zum Weiterleben fanden. Welchen Schatz birgt dieser braune, unscheinbare Karton, in dem die Briefe Ihrer Familie über Jahrzehnte überdauern konnten. Meinen Glückwunsch zu diesem Werk!

Dr. Wolfgang Reske, Dresden, Oktober 2019

Ich habe das Buch gern gelesen. Die Autorin versteht es, das Leben ihrer Großeltern eindrücklich und respektvoll nachzuzeichnen. (…) Obwohl das Buch dem Lebensweg von Hugo und Maria Linck gewidmet ist und den einfühlsam beschreibt, werden auch kurz die geschichtlichen Verhältnisse der Zeit, in der sich ihr Leben abspielte, skizziert. So bekommt man einen guten Eindruck der Entstehung und des weiteren Weges der Bekennenden Kirche in Ostpreußen. Mit Hilfe von Briefen und Zeitdokumenten beschreibt die Autorin auch die mühevollen Jahre 1945 – 1948, in denen Hugo und Maria Linck sich unter äußerst schwierigen und gefährlichen Verhältnissen für die Reste der ostpreußischen Kirche und vor allem für ihre Gemeinde eingesetzt haben.

Das Buch bietet auch für Leser, die sich mit der Kirche in Ostpreußen bereits beschäftigt haben und belesen sind, eine neue und eigene Perspektive, die das Gesamtbild bereichert und ergänzt. Auch dafür gebührt der Autorin Dank!

Gerard den Hertog, NL

Ich schließe meine Buchempfehlung, indem ich aus dem Nachwort von Christopher Spatz zitiere:
Henriette Pipers Auseinandersetzung mit der eigenen Familiengeschichte zeigt, wie fruchtbringend die Suche nach Herkunft und Identität sein kann, wenn Zeitzeugenschicksale von Kindern und Enkeln selbst untersucht werden. […] Ihre Kriegs- und Nachkriegserinnerungen gilt es zu sichern und wachzuhalten, damit Brücken zur Vergangenheit demnächst nicht einstürzen.“

Sibylle Dreher, in: Der Westpreuße 6/2019 (November/Dezember)

für Film & Fernsehproduktionen

Das traurig-schöne TV-Drama NUR EINE HANDVOLL LEBEN von Franzisky Meletzky (Regie) & Henriette Piper (Buch) erzählt die Geschichte einer Frau, die (…) in der 22. Woche erfährt, dass ihr Wunschkind unter dem Gen-Defekt Trisomie 18 leidet. Die Mutter steht vor der schweren Entscheidung Frage, ob sie das Kind zur Welt bringen oder abtreiben soll. Dass das gerade von Annette Frier vorzüglich gespielte ARD-Melodram dennoch nicht deprimiert, liegt an der zweiten Ebene der Geschichte,  dem Zusammenwachsen einer Patchworkfamilie. (..) Autorin Henriette Piper und Regisseurin Franziska Meletzky gelingt das Kunststück, dieser unendlich traurigen Geschichte trotzdem schöne Seiten abzugewinnen. Das ist neben dem Drehbuch nicht zuletzt den formidablen Darstellern zu verdanken. (…) Die Gewichtung der Rollen ist ohnehin eine große Stärke des Drehbuchs. (…) Gerade die späteren Szenen, in denen sich aus anfänglicher Ablehnung Freundschaft entwickelt, sind mitentscheidend für die lebensbejahende Botschaft des Films, der trotz des tränenreichen Endes nicht deprimierend ist: Es geht zwar auch weiterhin um das dem Tod geweihten Kind, aber mehr & mehr schiebt sich das Schicksal der Lebenden in den Vordergrund. (…) Deshalb erweist sich Annettes Entschluss, das Baby zur Welt zu bringen, als goldrichtig: weil das gemeinsam erlebte Schicksal das Quartett zu einer echten Familie zusammenwachsen lässt.

Tilmann P. Gangloff, 2016

Auf den ersten Blick erzählt DAS MÄDCHEN UND DER TOD, dieser 18. Film aus der ZDF-Reihe „DER KOMMISSAR UND DAS MEER“ eine ganz normale Krimigeschichte. (….) Hintergründig besteht die Handlung jedoch aus einer ganzen Reihe interessanter Familiendramen, und Regisseur Miguel Alexandre, der auch die Kamera führt, findet im spätwinterlichen Gotland reizende Bilder für die düstere Dramaturgie. (…) Das Buch zu „Das Mädchen und der Tod“ stammt von Henriette Piper. Es ist bereits ihr achtes für die bislang 18 Episoden umfassende Reihe; sie hat auch die ersten Bücher geschrieben, und abgesehen vom zuständigen ZDF-Redakteur Wolfgang Feindt kennt zumindest die Fernsehfiguren der ursprünglich auf Romanen von Mari Jungstedt basierenden Reihe vermutlich niemand so gut wie sie.

Tilmann P. Gangloff, 2015

Schwester Pascalina war die erste Frau, die im Vatikan wohnen durfte. Ein weiter Weg, parallel zu politisch bewegten Zeiten.  GOTTES MÄCHTIGE DIENERIN ist zu Recht ein Zweiteiler. Der Film erzählt die Geschichte einer Nonne, die die hohe Heiligkeit des Milieus auf einen bodenständigen, alltagsbezogenen Pragmatismus herunter bricht, ohne aus dem Vatikan das Wohnzimmer einer Großfamilie zu  machen. Eine bewegende Geschichte, die richtige Hauptdarstellerin, ein guter Film im Rahmen des Degeto-Unterhaltungskonzeptes.

Rainer Tittelbach, 2011

Das Melodram ist ein Genre wie jedes andere auch. Seine Affekte sind nicht minderwertiger als die, die im Krimi zum Tragen kommen. Doch Degeto, Pilcher & Co haben das Genre in Verruf gebracht. Gutes Emotionsfernsehen ist eine größere Leistung als gutes Spannungs-TV. Das liegt zum einen daran, dass es der Krimi in unserem popkulturell unterbelichteten Land in den letzten 40 Jahren geschafft hat, in den Kanon der (Populär-) Kultur aufgenommen zu werden. Das Melodram hat es nicht geschafft. Und das liegt nicht nur an den Machern. Auch die Fernsehkritik weigert sich, Qualitätsunterschiede zu sehen. Und das Publikum ist zerrissen. Weder gibt es so etwas wie eine kollektive Wertigkeit von Gefühlen, noch haben sich für die Darstellung emotionaler Stoffe verbindliche Qualitätsstandards durchgesetzt. Ein Anfang wäre es, wenn die Produzenten mehr „gute“ Regisseure, Autoren und Schauspieler an dieses zu Unrecht verrufene Genre ranlassen würden. „STERNE ÜBER DEM EIS“ ist in diesem Jahr (…) zumindest ein Hoffnungsstreif am Fernsehhorizont des vermeintlich Trivialen.

Rainer Tittelbach, 2009

Die Integration von acht Millionen Menschen, die aus den ehemaligen deutschen Ostgebieten kommend, in den drei Westzonen eine neue Heimat fanden, war bislang selten Thema in Fernsehfilmen. EIN DORF SCHWEIGT reflektiert das kollektive Bewusstsein Deutschlands zur „Stunde Null“. Die Historie generiert sich hier ganz aus dem Alltag der Menschen. (…) Was anfangs fast wie ein erzählter Erfahrungsbericht wirkt, mündet nach und nach in ein klug konstruiertes Drama, dessen Geschehen bis in die letzten Kriegstage zurückreicht. Es ist ein Film über die so genannte „Stunde Null“, die alles andere als eine Stunde Null war. Die nationalsozialistische Vergangenheit ließ sich nicht mit einem Schlag wegwischen. (…) Dem Film gelingt es, anhand exemplarischer Einzelschicksale den historischen Horizont jener Wochen und Monate zu erhellen. Henriette Piper und Martin Enlen (Regie) zeigen eine politische Situation anhand eines überschaubaren Mikrokosmos´, ohne dabei den historischen Tatbestand nur zu bebildern. Die Geschichte stimmt in ihren Details, sie generiert sich aus dem Alltäglichen, sie beobachtet, anstatt zu erklären. Nach und nach schälen sich die historischen Geheimnisse aus der Struktur der Geschichte. Kein allwissender Erzähler erhebt hier den Zeigefinger, das kollektive Nachkriegsbewusstsein, das in überragenden Schauspielern (allen voran Katharina Böhm als pragmatische Macherin und Inka Friedrich als das personifizierte schlechte Gewissen der schuldigen Nation) ihren Ausdruck findet, legt sich quasi selbst auf die Couch. Eine Geschichtsstunde ohne das falsche Pathos eines Event-Movies, wie man sie sich öfters wünscht.

Rainer Tittelbach, 2009

Eine Frau stirbt bei der Geburt. Kein Arzt zur Stelle, nur eine Hebamme kann das ihr Bestmögliche tun. Und sie entscheidet mutig. Sie macht einen Kaiserschnitt, um so wenigstens das Kind zu retten. Gefährliche Gefühle erzählt von einer Frau, die nicht zögert, sondern zupackt und etwas wagt, die dafür aber keine Anerkennung, sondern Vorwürfe erntet. Man unterstellt der Hebamme niedere Beweggründe, weil sie eine Liebesaffäre mit dem Mann hatte, deren Frau ihr unter den Händen wegstarb. (…) Was ziemlich ausgedacht klingt, packt einen im Film vom ersten Augenblick an. „GEFÄHRLICHE GEFÜHLE“ ist ein modernes Melodram um Liebe, Schuld, Verantwortung und die Unmöglichkeit einer 100% richtigen Wahl. Es zeigt, wie unversöhnlich eine Dorfgemeinschaft sein kann, und wie sich Schmerz in Rachegelüsten ersticken lässt. Doch anders als in den Klassikern des Genres lässt hier Martin Enlen (…), der sich als „Frauen-Regisseur“ einen Namen gemacht hat, weder den Sound pompös anschwellen, noch belastet er die Bilder mit der Schwere des Schicksals. Die liegt auf den Gesichtern der Schauspieler. Harald Krassnitzer spielt das schlechte Gewissen so wie im richtigen Leben. Monica Bleibtreu imponiert als rachedürstiger Hausdrachen. Und Jasmin Schwier überzeugt als Tochter, die in ihrer Ohnmacht nach Sündenböcken sucht. Dreh- und Angelpunkt im Film aber ist Katharina Böhm. (…) 2003 ist offenbar ihr Jahr.

Rainer Tittelbach, 2003

SEHNSUCHT NACH LIEBE. Verwitwete Pfarrerin verliebt sich in jüngeren Musiker. Die Neigung des Einzelnen im Widerspruch gegen die die Forderungen der Gemeinschaft. Melodram-Stoff, wie er klassischer nicht sein kann. Doch die Beteiligten, Autorin Henriette Piper, Regisseur Erwin Keusch und vor allem die glänzende Barbara Rudnik, fachen die Leidenschaften nicht künstlich an. So wird aus dem Melodram ein TV-Drama, das sich sehen lassen kann.

Rainer Tittelbach, 2004